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Silicon Saxony: TSMC und Intel – das Ringen der Chip-Giganten um die Weltmarktführung

  • TSMC und Intel – das Ringen der Chip-Giganten um die Weltmarktführung
    Pat Gelsinger, CEO von Intel.

Newsletter-Editorial 19-21: Seit Monaten ranken sich zahlreiche Gerüchte um die Ambitionen der beiden Chip-Giganten Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) und Intel. Beide haben große Pläne für Europa und die Welt. Beide konkurrieren miteinander, wo immer sie aufeinandertreffen. Nachdem TSMC z.B. im Jahr 2020 den Bau einer 12 Mrd. Dollar teuren Fab in Arizona/USA ankündigte, legte Intel im Frühjahr 2021 kurzerhand nach und kündigte seinerseits an, sein US-Werk in Arizona mit 3,5 Mrd. Dollar aufzurüsten. Beide Konzerne kämpfen, zusammen mit Samsung, um die Weltmarktführung im Bereich der Mikroelektronikproduktion. Beide verfolgen dabei ähnliche Herangehensweisen.



So kommunizierte TSMC in diesem Jahr früh, mehr als 9000 neue Mitarbeiter:innen zu rekrutieren und bis zu 100 Mrd. Dollar in den kommenden drei Jahren zu investieren. Intel, in Person von Pat Gelsinger (CEO von Intel, Foto), zog nun nach und scheut dabei selbst für Investoren eher unliebsame Töne nicht. 28 Mrd. Dollar möchte Gelsinger 2022 für seinen Unternehmensaus- und -umbau investieren. Das wären unglaubliche 40 Prozent des Intel-Umsatzes (74 Mrd. Dollar) und damit ein "Rendite-Killer". Zum Vergleich: Infineon, immerhin zehntgrößtes Chipunternehmen der Welt, plant für 2022 mit 20 Prozent seines Gesamtumsatzes für Investitionen, ein absoluter Unternehmensrekord. Üblich sind in "normalen Zeiten" 10 bis 15 Prozent des Jahresumsatzes.

Entsprechend verwundert es kaum, dass als nächste Realisierungsstufe der unternehmenseigenen Ausbaustrategien sowohl TSMC als auch Intel Europa ins Visier genommen haben. Zuletzt sprach Pat Gelsinger mit Industriekommissar Thierry Breton im Rahmen des Chipcrunch live auf YouTube darüber. Schließlich passen die Pläne der EU, den kontinentalen Marktanteil an der weltweiten Chipproduktion von zehn auf 20 Prozent zu erhöhen, perfekt zu den eigenen ehrgeizigen Erweiterungsambitionen. Offen treten die Chipproduzenten bereits mit Milliardenforderungen für die Förderung an die EU und deren Staaten heran. Bis zu 40 Prozent der Gesamtinvestition sollen EU, Länder und Regionen in den Pot werfen, um die Mega-Fabriken auf eigenem Boden Wirklichkeit werden zu lassen. Zum Vergleich: Bosch erhielt für seine verhältnismäßig kleine Fabrik in Dresden 20 bis 30 Prozent Förderung.

Für die möglichen Standorte der zukünftigen Fabs ist dies dennoch ein riesiger Anreiz. Die Magnetwirkung in Richtung weitere Unternehmen (Zulieferer, Dienstleister etc.), die damit verbundenen neuen Arbeitsplätze, jährlichen Steuermillionen und ein spürbarer wirtschaftlicher Aufschwung versprechen eine Win-Win-Situation auf allen Seiten. Grund genug, um derzeit 70 Standorte in zehn EU-Ländern um die beiden Kontrahenten buhlen zu lassen. Für Deutschland liegen hier Sachsen und Bayern ausgezeichnet im Rennen. Beide Bundesländer führen bereits Gespräche mit den Unternehmen. Alles was nun zählt, sind schnelle Entscheidungen. Denn zumindest Gelsinger und Intel wollen bereits 2022 die Bagger rollen lassen. Es bleibt zu hoffen, dass die aktuelle Regierungsbildung in Deutschland hier nicht zum weiteren Bremsklotz wird.

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Foto: Walden Kirsch/Intel Corporation