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Silicon Saxony: Knirschen statt brummen – Wie Lieferengpässe die globale Wirtschaft bremsen

  • Knirschen statt brummen – Wie Lieferengpässe die globale Wirtschaft bremsen
    Die Globalisierung hat nicht nur neue Möglichkeiten geschaffen, sie brachte auch Probleme mit sich, die die Corona-Pandemie in den letzten Monaten aufdeckte.

Newsletter-Editorial 18-21: Es scheint absurd. Die Auftragsbücher der deutschen Unternehmen sind gut gefüllt. Die Nachfrage nach unterschiedlichsten Produkten – von Fahrzeugen über Unterhaltungselektronik bis Verpackungs- und Baumaterialien – ist enorm. Und trotzdem knirscht es in Wirtschaft und Industrie. Die Welt steht am Rande einer "Flaschenhals-Rezession". Das heißt: Wirtschaft und Industrie könnten fliegen, würde sie die anhaltenden Rohstoff-, Vorprodukte- und Lieferketten-Probleme nicht bleiern am Boden halten. 80 Prozent der Industriebetriebe klagen aktuell über Lieferengpässe. Und das, was produziert werden kann, erfährt unglaubliche Preisexplosionen.

 

 

Allein die Halbleiterknappheit ließ die Preise für Grafikkarten um 80 Prozent steigen. Kühlschränke wurden im Vergleich zum Vorjahresmonat um 44 Prozent teurer, wie Businessinsider berichtet. Doch anstatt die weltweite Nachfrage befriedigen zu können, müssen produzierende Unternehmen derzeit ihre Aufträge verschieben oder stornieren. Werke und Fabriken werden vielerorts kurz- oder mittelfristig stillgelegt, die Belegschaft in die Kurzarbeit geschickt – so zum Beispiel bei Opel in Eisennach. Der Mangel an Mikrochips ist hier, wie auch bei zahlreichen anderen Automobilunternehmen oder Elektronikkonzernen, der Grund. Andernorts fehlen Stahl, Aluminium, Holz, Zink etc.

Die Globalisierung hat nicht nur neue Möglichkeiten geschaffen, sie brachte auch Probleme mit sich, die die Corona-Pandemie in den letzten Monaten aufdeckte. Weltweit bestehen Abhängigkeiten, haben sich Unternehmen miteinander verflochten, müssen Materialien, Bauteile, Anlagen, Maschinen usw. lange Transportwege meistern. Hier schlagen Hafenschließungen (z.B. in China aufgrund der Corona-Lockdowns), Personalmangel, geringere Frachtkapazitäten (aufgrund reduzierter Flotten, z.B. im Flugverkehr) und Transportstaus auf die Wertschöpfungsketten durch, wie uns Martin Pohle, von World Courier Deutschland, bestätigte. Ein Umdenken ist gefragt. Lokal wird das neue Global. Die Zeit scheint reif, die für die europäische Industrie nötigen Produktionsstätten wieder aufzubauen und die kontinentale Unabhängigkeit zu stärken. Das Thema Technologiesouveränität rückt immer stärker in den Fokus.

Vorstöße, wie die Vervierfachung der Chipfertigungskapazitäten in Europa bis 2031, ins Spiel gebracht von EU-Binnenmarkt-Kommissar Thierry Breton, werden sich auch in anderen Bereichen häufen. Denn "strategische Autonomie ohne Produktionsanlagen ist zum Scheitern verurteilt", bemerkte Breton zurecht. Speziell bestehende Cluster, wie z.B. Silicon Saxony im Bereich Mikroelektronik, gilt es hierfür schnell und konsequent auszubauen. Auch andere Nationen und Regionen haben den Ruf der Stunde erkannt, setzen ihrerseits auf teils Hunderte Milliarden schwere Förderprogramme, um sich von globalen Abhängigkeiten zu lösen. Schnelle Lösungen sind trotz dieser schwindelerregenden Summen nicht zu erwarten. Allein die Halbleiterknappheit soll sich noch bis 2023 ziehen. Die Zeit ist reif, die globale Wirtschaft und Industrie neu zu denken. Wenn nicht jetzt, wann dann?

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Foto: pixabay