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TU Dresden: Marcus-Regime in organischen Bauelementen - Ladungstransfer-Mechanismus an Kontakten aufgeklärt

  • TU Dresden: Marcus-Regime in organischen Bauelementen - Ladungstransfer-Mechanismus an Kontakten aufgeklärt
    Schematische Darstellung des Bauelements: a – Schematischer Querschnitt des Bauelements. b – Arbeitsweise des Hot-Elektronen-Transistors.

Physiker des Exzellenzclusters Center for Advancing Electronics Dresden (cfaed) der TU Dresden konnten gemeinsam mit Forschern aus Spanien, Belgien und Deutschland in einer Studie zeigen, wie sich Elektronen bei ihrer Injektion in organische Halbleiterfilme verhalten. Simulationen und Experiment konnten eindeutig verschiedene Transportregime identifizieren. Die Studie wurde jetzt in "Nature Communications" veröffentlicht.

Ladungstransferprozesse spielen eine grundlegende Rolle bei allen elektronischen und optoelektronischen Bauelementen. Für Bauelemente basierend auf organischer Dünnfilmtechnologie sind dies u.a. die Injektion der Ladungsträger über die metallischen Kontakte und der Ladungstransport im organischen Film selbst. Injektionsprozesse an den Kontakten sind hierbei von besonderem Interesse, da für optimale Effizienten der Bauelemente die Kontaktwiderstände an den Grenzflächen minimiert werden müssen. Allerdings sind solche internen Grenzflächen nur schwer zugänglich und daher nicht gut verstanden.

Das Team um den cfaed-Forschungsgruppenleiter Dr. Frank Ortmann (Computational Nanoelectronics Group) konnte nun gemeinsam mit Forschern aus Spanien, Belgien und Deutschland in einer Studie zeigen, dass sich der elektronische Transportmechanismus bei der Injektion in einen organischen Film durch das sogenannte Marcus-Hüpfmodell beschreiben lässt, welches aus der Physikalischen Chemie bekannt ist und auf den amerikanischen Chemiker Rudolph Arthur Marcus zurückgeht. Durch vergleichende theoretische und experimentelle Untersuchungen konnten die in der Marcus-Theorie vorhergesagten Transportregime zweifelsfrei identifiziert werden. "Die von R.A. Marcus im Zusammenhang mit Fragestellungen der chemischen Synthese in den 50er Jahren abgeleiteten Vorhersagen, insbesondere das sogenannte ‚Invertierte Marcus-Regime‘, konnten erst viele Jahrzehnte später durch systematische Experimente zu chemischen Reaktionen bestätigt werden. Für seine wichtigen theoretischen Beiträge hat R.A. Marcus den Chemie-Nobelpreis 1992 verliehen bekommen.", so Ortmann.

"Nun ist der Nachweis des ‚Invertierten Marcus-Regimes‘, bei dem eine höhere Spannung einen niedrigeren Strom erzeugt, erstmalig in einem organischen Transistor gelungen, bei dem die Injektions-Spannung aktiv kontrolliert werden kann", führt Ortmann weiter fort. Dies führe zum besseren Verständnis elektronischer und optoelektronischer organischer Bauelemente allgemein.

Über die Veröffentlichung

Die Publikation wurde am 7.5.2019 in der Fachzeitschrift "Nature Communications" veröffentlicht.
Titel der Arbeit: "Tuning the charge flow between Marcus regimes in an organic thin-film device"
Web: www.nature.com/articles/s41467-019-10114-2
DOI: 10.1038/s41467-019-10114-2
Autoren: A. Atxabal, T. Arnold, S. Parui, S. Hutsch, E. Zuccatti, R. Llopis, M. Cinchetti, F. Casanova, F. Ortmann, L.E. Hueso

Über die Computational Nanoelectronics Group
Die Forschungsgruppe am Center for Advancing Electronics Dresden (cfaed) unter Leitung von Dr. Frank Ortmann erforscht elektronische Eigenschaften und Ladungstransporteigenschaften neuartiger Halbleitermaterialien. Hierbei sind organische Halbleiter aktuell ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit, die durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Emmy Noether-Programms gefördert wird. Die Gruppe ist seit 2017 am cfaed angesiedelt.

Weiterführende Links


www.tu-dresden.de
https://cfaed.tu-dresden.de 
https://cfaed.tu-dresden.de/ortmann-home

Foto: Frank Ortmann