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TU Dresden: Taktile-Internet-Anwendung für Tanztraining der Zukunft gewinnt Sächsischen Staatspreis für Design

  • TU Dresden: Taktile-Internet-Anwendung für Tanztraining der Zukunft gewinnt Sächsischen Staatspreis für Design
    Das technische System MODERN REPLACEMENT gibt über einen Gürtel taktile Vibrationssignale, die anzeigen, in welche Richtung die Bewegung des Tänzers fortgesetzt werden soll. Eine Beamerprojektion auf dem Boden markiert die Standpunkte der anderen Ensemblemitglieder.

Zwei Studenten der TU Dresden gewinnen sächsischen Designpreis für eine Anwendung des taktilen Internets im professionellen Tanz. Ein technisches System aus Vibrationsgürtel und zwei Armbändern inkl. App und Beamervisualisierung ermöglicht Tänzern ein Solo-Training in Rekordzeit. Lenard Opeskin und Paul Judt, Studenten der TU Dresden im 9. Semester, wurden für ihr technisches System MODERN REPLACEMENT mit dem Sächsischen Staatspreis für Design in der Kategorie Nachwuchs-Produktdesign im Konsumgüter-Bereich ausgezeichnet. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Ein Vibrationsgürtel, zwei Armbänder, eine App und zwei Beamer – mehr braucht es künftig nicht mehr, wenn Tänzerinnen und Tänzer in sehr kurzer Zeit eine Choreographie lernen müssen, weil die Originalbesetzung kurzfristig ausgefallen ist (Replacement). Dabei sind die neuen Tänzer – das Replacement – räumlich vom restlichen Ensemble und der Choreographin getrennt und müssen sich in kürzester Zeit in komplizierte Rhythmen und Bewegungsabfolgen einarbeiten. Das isolierte Lernen einer Performance ist für Tänzer anstrengend, langwierig und oft nur bedingt erfolgreich. Die impulsbasierte Technik MODERN REPLACEMENT der beiden Studenten Lenard Opeskin und Paul Judt gestaltet den isolierten Lernprozess einer Choreographie im Modernen Tanz wesentlich schneller, effektiv und sicher.

Der Lernprozess mit MODERN REPLACEMENT läuft in drei Phasen: Mit einer App können neue Tänzer den gesamten Lernprozess zunächst Schritt für Schritt durchlaufen und individualisieren. Ein Gürtel mit acht Vibrationsmotoren und zwei Armbänder signalisieren den neuen Tänzern in Echtzeit die Tanzrichtung und ziehen den Körper förmlich in die richtige Position. Eine Beamervisualisierung auf dem Boden gibt die Positionen, die Dynamik und den Rhythmus der anderen Ensemblemitglieder wieder und hilft so bei der räumlichen Orientierung. MODERN REPLACEMENT ist eine Anwendung des taktilen Internets, da es neben dem visuellen Feedback eben auch haptisches Feedback in Echtzeit überträgt.

Die Jury lobte MODERN REPLACEMENT vor allem als ein "technisch funktionierendes, formal eigenständiges und elegant umgesetztes Cyber-Psychisches System, das neue Anwendungsgebiete erschließt und hervorragend auf die kognitiven und physischen Voraussetzungen und Bedürfnisse der Nutzer angepasst ist."

"Inzwischen kann man schon von einer kleinen Tradition sprechen. Zum dritte Mal in Folge setzen sich unsere Studierenden im Nachwuchsdesign des Staatspreises durch. Das freut mich außerordentlich! Mit Modern Replacement gewinnt in diesem Jahr ein Thema, das in seiner Verbindung aus modernem Tanz und integrierter Elektronik wunderbar selbstverständlich Dresdner Tradition und Zukunft miteinander verbindet. Vielen Dank an die Ideengeber vom Festspielhaus Hellerau und die Unterstützer vom 5G Lab Germany", so Jun.-Prof. Jens Krzywinski, Inhaber der Juniorprofessur für Technisches Design an der Fakultät Maschinenwesen der TU Dresden.

Neben einer Weiterentwicklung der aufs Tanzen bezogenen Lösungen arbeitet das Team des Technischen Designs an weiteren Anwendungen des taktilen Internets z. B. in Sportarten wie Volleyball oder Rudern sowie für den Einsatz in der Industrie.

Das System MODERN REPLACEMENT wurde an der Juniorprofessur für Technisches Design der TU Dresden in Kooperation mit der Professur für Mediengestaltung und dem Festspielhaus Hellerau entwickelt. Das Projekt wurde als Teamarbeit von zwei Maschinenbaustudenten mit Schwerpunkt Technisches Design und zwei Studenten der Medieninformatik durchgeführt.

Der Sächsische Staatspreis für Design wird alle zwei Jahre vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr verliehen. Der Designpreis ist mit insgesamt 50.000 Euro dotiert und wurde in vier Kategorien und einem Sonderpreis ausgelobt.

Weiterführende Links


www.tu-dresden.de

Foto: Lenard Opeskin & Paul Judt / TU Dresden