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SAP: Behörden-Götterdämmerung jenseits der Alpen – Blockchain macht es möglich

  • SAP: Behörden-Götterdämmerung jenseits der Alpen – Blockchain macht es möglich
    Mithilfe von Blockchain-Technologie haben SAP-Teams mit einem Südtiroler SAP-Kunden eine App entwickelt, die Behördengänge in Italien in Zukunft effizienter und erträglicher machen könnte.

Mithilfe von Blockchain-Technologie haben SAP-Teams mit einem Südtiroler SAP-Kunden eine App entwickelt, die Behördengänge in Italien in Zukunft effizienter und erträglicher machen könnte. Italien strebt mit seiner Initiative "Agenda Digitale Italiana" aktuell einen digitalen Strukturwandel in allen Bereichen, speziell den amtlichen, an. Der Südtiroler SAP-Kunde SIAG (Südtiroler Informatik AG), der seinerseits zentrale Systeme für den öffentlichen Dienst betreibt, reagierte prompt. Kurzerhand wurde das Bozener Bauförderungsamt mit Blockchain-Technologie testweise fit für morgen gemacht.

 

Wer kennt sie nicht – die lästigen Behördengänge. Sie kosten meist nicht nur Zeit, sondern auch Nerven. Besonders in Italien, wo Besuche auf dem Amt so langwierig sein können, dass manche sogar Rentner und Studenten als professionelle Behördengänger dafür bezahlen, dass sie einem dieses Elend ersparen. Noch schlimmer als die Warterei aber ist, wenn man dieselben Unterlagen, die man im Schweiße seines Angesichts mühselig zusammengesucht, kopiert und beglaubigt hat, an anderer Stelle nochmal einreichen soll. Wo war das Gutachten doch gleich wieder?

Den Behörden ihrerseits geht es auch nicht besser. Unzählige Vorgänge mit Kopien von Dokumenten stapeln sich in Schränken und liegen zusätzlich nochmal eingescannt und archiviert auf Festplatten und Servern herum. Da kann schnell mal was untergehen, verwechselt oder schlimmstenfalls manipuliert werden. Vom Bearbeitungstempo ganz zu schweigen.

Mit anderen Worten, Behörden sind noch nicht so wirklich im Informationszeitalter angekommen. Bis jetzt. Denn Italien hat sich mit seiner Initiative "Agenda Digitale Italiana" einen digitalen Strukturwandel in allen Bereichen auferlegt. Und da dachte der Südtiroler SAP-Kunde SIAG (Südtiroler Informatik AG), der zentrale Systeme für den öffentlichen Dienst betreibt, das Bozener Bauförderungsamt wäre doch ein guter Anfang, um den Bereich mit Blockchain-Technologie testweise fit für morgen zu machen. Digitale Bronzezeit trifft auf Zukunft; ein interessantes Projekt also.

Das sah auch der ICD-Bereich Public Services so, den die SIAG als SAP-Co-Innovationspartner mit ins Boot holte.

Vertrauen statt Beglaubigungswut
Man machte sich zunächst an die Analyse üblicher Behördenprozesse. Doch alle Theorie ist grau, wie Goethe schon wusste. Und so begaben SIAG-Vertreter und die SAP-Teams aus "SAP Industry Cloud and Custom Development" (ICD) und "SAP Innovation Center Network” sich gemeinsam auf das Bozener Bauförderungsamt, um deren tatsächliche Verfahren genau unter die Lupe zu nehmen. Sie sahen Scanner heiß laufen, Systemdschungel und Beglaubigungsschlachten. Der Fall schien klar. Eine Blockchain würde es der Behörde ermöglichen, eine digital beglaubigte Kopie auf einer verteilten Datenbank abzulegen; dank des verwendeten Hashwerts auch mit anonymisierten Daten. Das Ganze wäre transparenter, schneller und sogar fälschungssicher. Denn würde jemand Hand anlegen, würde der geänderte Hashwert das verraten. Das endgültige Ziel wäre eine Ablage, auf die Behörden in ganz Italien Zugriff hätten. Wer von Bozen nach Rom zieht, müsste seine Dokumente dann nicht wieder zusammensuchen und persönlich abgeben. Das Vertrauensprinzip der Blockchain würde den endlosen Kreislauf aus Bestätigungen und dubiosen Ablagen ablösen.

Die dazugehörige App ermöglicht Beamten, ein einheitliches Aktenkennzeichen pro Genehmigungsvorgang anzulegen und Dokumente direkt einzulesen. Die App gibt diese wiederum umgehend an alle angeschlossenen Systeme weiter. Es müsste also kein Beamter mehr mit Dokumentenbergen zum Scanner im Gang schlurfen und die sich per Mail geschickten Dokumente wieder händisch in einen Ordner schieben, von wo aus der Beamte im Nebenzimmer es im Stille-Post-Verfahren ungeprüft bestätigt und ans nächste System weiterreicht. So hätten Beamte auch mal wieder Zeit für Bürgeranliegen.

Der erste Schritt zur Blockchain ist getan
Auf der diesjährigen SAPPHIRE NOW konnte man die Bozen-App bereits in Aktion sehen, wo sie SIAG-Chef Stefan Gasslitter vorstellte, der zudem ausdrücklich die erfreuliche Zusammenarbeit mit SAP betonte: "Bei diesem Blockchain-Proof-of-Concept habe ich eine völlig neue SAP kennengelernt; eine, die eher einem Startup gleicht. Alle waren flexibel, schnell in der Umsetzung und reagierten umgehend auf Fragen. Ich habe eine ganz andere Seite an SAP kennengelernt, eine sehr viel emphatischere”. Doch bei einem Prototyp für einen Proof of Concept soll es natürlich eigentlich nicht bleiben, zumindest wäre der Amtsleiter in Bozen nicht unglücklich darüber. Zuvor muss sich SAP jedoch grundsätzlich den ein oder anderen Gedanken über seine Strategie bezüglich des Einsatzes neuer Technologien im öffentlichen Dienst machen. Es geht darum, Innovation voranzutreiben, ohne das Firmenwachstum aus den Augen zu verlieren. Eine Gratwanderung. Hier steht die gesamte IT-Industrie noch vor Grundsatzfragen: Man darf sich technisch nicht abhängen lassen, aber irgendwann muss das, was man tut, auch die Miete zahlen.

Doch wer weiß, vielleicht müssen sich die zum Schlangestehen gemieteten Rentner und Studenten in Italien irgendwann nach einem anderen Zubrot umsehen. Andererseits, wer steht schon gerne Schlange.

Weiterführende Links

www.sap.com  
YouTube-Film von SAP zum Thema Blockchain

Grafik: SAP