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SAP: IDC-Studie 2019 - KI-Software wächst in Deutschland überdurchschnittlich

  • SAP: IDC-Studie 2019 - KI-Software wächst in Deutschland überdurchschnittlich
    Hindernisse bei der Entwicklung und Einführung von Künstlicher Intelligenz.

In einer aktuellen Studie von IDC wurden deutsche Unternehmen zu ihren Plänen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) befragt. Ergebnis: Das Interesse ist stark gestiegen, aber weiter ausbaufähig. Viele Firmen haben sich aber schon auf den Weg gemacht.

 

 

Das Interesse an Künstlicher Intelligenz ist bei deutschen Firmen stark gestiegen, doch der tatsächliche Einsatz ist nach wie vor begrenzt. Viele Firmen haben laut eigener Aussage aber Projekte in der Pipeline.

Das ist das Ergebnis der Studie "Künstliche Intelligenz in Deutschland 2019". Für die Untersuchung des Beratungsunternehmens IDC wurden im April IT- und Fachentscheider in Deutschland aus 305 Organisationen mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt, die Künstliche Intelligenz evaluieren, pilotieren oder einsetzen.

88 Prozent der Unternehmen planen aktuell ein KI-Projekt

88 Prozent der von IDC für die Studie befragten Unternehmen und Organisationen planen die Umsetzung eines neuen KI-Projekts in den nächsten zwölf Monaten. Vor einem Jahr waren es lediglich 69 Prozent. Das bedeutet: Das Thema Künstliche Intelligenz hat in den vergangenen zwölf Monaten weiter Fuß gefasst in Deutschland.

IDC betont die Ambitionen deutscher Firmen: "Unternehmen, die einmal mit KI begonnen haben, entscheiden sich für weitere Projekte." IDC wertet das als "deutlichen Beleg für den Nutzen der Technologie". Bislang haben laut Aussagen der befragten Unternehmen bis heute 41 Prozent KI-Projekte umgesetzt. Das ist ein Plus: 2018 waren es lediglich 27 Prozent.

Die drei am häufigsten genannten KI-Businessziele und -Use Cases seien: Die Automatisierung von IT-Prozessen (34 Prozent), die Automatisierung von Sales- und Marketingprozessen (31 Prozent) sowie die Optimierung des Personaleinsatzes (30 Prozent).

Abstand zu anderen Ländern bei innovativen Technologien
Der Blick auf andere westeuropäische Länder zeige, so IDC, dass Deutschland vielfältige Maßnahmen ergreife, um zu Ländern wie Großbritannien oder den skandinavischen Ländern aufzuschließen. "Das wird sicherlich nicht von heute auf morgen gelingen", meinen die Experten. Aber der Abstand zu den anderen Staaten werde sich nach Überzeugung der Experten bald weiter verringern.

"Unternehmen in Deutschland werden in Sachen KI mittelfristig zu ihren europäischen Peers aufschließen", sagt Matthias Zacher, der Projektleiter der Studie. "Unsere Prognosen zeigen, dass KI-Software bis 2022 hierzulande jährlich durchschnittlich um 57 Prozent wächst und damit deutlich über dem westeuropäischen Wachstum von 49 Prozent liegt."

IT und Fachabteilungen ziehen an einem Strang

Künstliche Intelligenz würde in der Öffentlichkeit, so IDC, bislang stark aus einer Technologieperspektive diskutiert. Für Unternehmen und Organisationen stehe allerdings ganz klar der Businessnutzen im Vordergrund. Anhand der Studienergebnisse lasse sich eine Akzentverschiebung feststellen: Während 2018 die Fachabteilungen bei der Planung von KI federführend waren, haben nun die IT-Abteilungen gemeinsam mit den Fachabteilungen diese Rolle übernommen.

KI-Projekte sind nach IDC Beobachtungen dann am erfolgreichsten, wenn Fachabteilungen und IT an einem Strang zögen. Ebenfalls ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung: 32 Prozent der Unternehmen verfügen über Innovationscenter oder Labs für die Evaluierung und die Entwicklung geeigneter KI-Lösungen.

Künstliche Intelligenz und ihre Anwendungsszenarien
Der Einsatz von KI basiert auf einer Vielzahl unterschiedlicher Anwendungsszenarien. Am häufigsten nutzen die befragten Unternehmen KI zur Texterkennung (57 Prozent), Spracherkennung (47 Prozent), Bilderkennung/Bild-Klassifikation (43 Prozent), für überwachtes Lernen (42 Prozent) sowie die Extraktion von Wissen (41 Prozent).

Am Markt gibt es eine Vielzahl an KI-Plattformen, -Services und -Anbietern. Für 60 Prozent der Befragten sind cloudbasierte KI-Services die bevorzugte Bereitstellungsform. Die Unternehmen nutzen sowohl KI-Services und KI-Lösungen Dritter, entwickeln aber zugleich eigene Algorithmen. In diesem Zusammenhang ist für 42 Prozent der Befragten auch Open Source eine Option für die Entwicklung eigener KI-Services.

Welches sind die Vorreiterbranchen?
Das große Interesse an KI sei branchenübergreifend. Allerdings seien die Lösungen noch nicht in allen Industriezweigen gleichermaßen im Einsatz. Vorreiter bei der Umsetzung sind demnach Versorger, Telekommunikationsunternehmen und Financial Services. Die Schlusslichter bilden die öffentliche Verwaltung und Dienstleistungsunternehmen.

"Wir sehen, dass immer mehr Referenzen zur Verfügung stehen", sagt Zacher von IDC. "Anwender und Anbieter profitieren dabei gleichermaßen von Cases aus der eigenen Branche, aber auch branchenübergreifend eröffnen sich zahlreiche neue Einsatzmöglichkeiten."

Die meisten Unternehmen würden das Potenzial von KI aber noch nicht umfassend nutzen. 60 Prozent der Befragten betonen einerseits, dass eine digitale Transformation ohne Künstliche Intelligenz nicht erfolgreich sein werde, andererseits nennen nur 30 Prozent Innovation als eines ihrer drei wichtigsten Businessziele. KI werde aktuell vorrangig zur Prozessoptimierung eingesetzt. Der Einsatz von KI zur Innovation oder Disruption kämen bei deutschen Unternehmen noch zu kurz, sagen die IDC-Experten.

Wie kann Innovation die Optimierung von Prozessen unterstützen? Das fragt sich Andreas Kerger, Global Head of Machine Learning Practice bei SAP. Wenn man einen bestehenden Prozess automatisiere, müsse man ihn erst verstehen, aber eben auch überlegen, ob dieser Prozess sinnvoll und notwendig sei und wie man ihn innovativer gestalten könne. Kerger: "Hier kommt intelligente Roboter-Prozess-Automatisierung ins Spiel. Es werden neue, innovative Prozesse eingeführt."

Roboter-Prozess-Automatisierung (RPA) bedient sich der Fähigkeit von Softwarerobotern und kann  durch Künstliche Intelligenz getriebenen Arbeiter einbeziehen, um eine menschliche Interaktion mit Benutzerschnittstellen von Softwaresystemen nachzuahmen. RPA entlastet Anwender von Geschäftssoftware bei repetitiven Tätigkeiten.

Dies wird mit interaktiven Anwendungs-Assistenten und eigenständige Bots umgesetzt, die innerhalb und zwischen verschiedenen Anwendungen agieren können. Diese Assistenten können beispielsweise auch über natürliche Sprache gesteuert werden und eröffnen somit ganz neue Möglichkeiten, wie man Prozesse innovativ optimieren kann.

KI- und Machine Learning-Fachkräfte fehlen
Fehlende Fachkräfte bremsen laut IDC die KI-Aktivitäten in vielen Unternehmen aus. 38 Prozent der befragten Firmen gaben einen Mangel an Experten als "die größte Hürde für die Umsetzung von Projekten" an. IDC geht davon aus, dass sich die Situation kurzfristig auch nicht entspannen werde. Seit der letzten Bestandsaufnahme habe sich nicht viel getan.

Dank vorbereiteter Services und integrierter Tools könne man die Maschine Learning Projekte nicht nur mit Data Scientists angehen, sagt Kerger von SAP. "Wir stellen alles Nötige als Cloud-Service zur Verfügung. So kann man auch im eigenen Unternehmen ganz anders skalieren."

Zweifel an der Reife von KI
Ein weiteres Problem laut Studie: Sowohl in IT- als auch Fachabteilungen bestünden gegenüber KI nach wie vor Vorbehalte. Zweifel an der Reife von KI blieben bestehen. Hier habe sich in den vergangenen zwölf Monaten auch nicht viel bewegt. Dieses Argument will IDC aber nicht gelten lassen. Es könne relativ schnell durch die Evaluierung von Business Cases und Projekten widerlegt werden. Schließlich gehe es um reale Businessanforderungen und existierende Lösungsszenarien.

KI wird sich mittelfristig durchsetzen
Fazit: Das Potenzial von KI werde die IT- und Fachabteilungen in den nächsten zwei bis drei Jahren umfassend beschäftigen. IDC ist davon überzeugt, dass mittelfristig alle Unternehmen und Organisationen KI in den verschiedensten Ausprägungen nutzen werden.

Die Unternehmen stünden jetzt vor der Herausforderung, umfassendes Know-how aufzubauen, um aus KI einen höheren Mehrwert zu generieren. Dafür müsse es vorrangig als Business-Thema begriffen werden. Zudem sollten IT- und Fachabteilungen KI-Projekte Hand in Hand vorantreiben.

Immer mehr Unternehmen in Deutschland betrachteten KI "als sinnvollen und praktikablen Ansatz sowie starken Enabler zur Verbesserung ihrer Geschäftsprozesse". KI ermöglicht laut IDC-Experten aber noch viel mehr: Die Freisetzung von Kreativität, die Modellierung von Ideen und die Beschleunigung von Innovationen.

Vision: Das intelligente Unternehmen
"Die integrierten Lösungen in unseren SAP-Anwendungen, ermöglichen den Kunden mit Machine Learning, völlig neue Dinge umzusetzen", sagt KI-Experte Kerger von SAP. "Unsere Vision ist das intelligente Unternehmen, wo man mit Machine Learning neue Kunden gewinnen und die Produktivität steigern kann."

"Wir haben in der Beratung Service-Angebote für alle Themen zur End-to-End-Umsetzung von Künstlicher Intelligenz, in unseren Produkten und in unserer Plattform – von der Planung bis zur schnellen Umsetzung", so SAP-KI-Experte Kerger weiter.

Große Nachteile in puncto Kundenzufriedenheit und Produktivitätssteigerung hätten über kurz oder lang alle, die KI nicht einsetzten: "Wenn man das Thema nicht angeht, bleibt man hinter der Konkurrenz zurück", sagt Kerger. KI-Projekte könnten aber auch, so Kerger, genauso wie andere IT-Projekte scheitern.

"Man braucht klare Erfolgskriterien, die man vorher definieren muss. Man braucht Verständnis für die momentane Lage im Prozess und welche Verbesserungen erreicht werden sollen. Und man sollte die Kriterien nicht nur komplett am Thema KI ausrichten", rät Kerger. "Es ist besser, wenn man den Erfolg des Gesamtprozessergebnisses berücksichtigt. Also: Nicht nur allein zum Beispiel die Erkennungsrate einer Bilderkennung, sondern, wie kann die Bilderkennung den Prozess insgesamt beschleunigen, sicherer und robuster machen."

Weiterführende Links


www.sap.com

Grafik: SAP